von Dekan Gerhard Failing

"Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt", lautet der Monatsspruch für Mai aus dem Philipperbrief (4,13)



Liebe Gemeindeglieder,
liebe LeserInnen,

in meiner Marburger Studentenzeit bin ich gerne mit Freunden in der Nacht zum 1. Mai zum Maisingen auf den Marktplatz gegangen. Unvergesslich, wenn der damalige Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler um Mitternacht das Lied "Der Mai ist gekommen…" anstimmte. Es gibt viele Lieder, die den Wonnemonat Mai besingen. Vielleicht werden Sie das eine oder andere bei einer passenden Gelegenheit in den nächsten Tagen anstimmen, vielleicht schon bei der Aufstellung eines Maibaumes.

"Alles neu macht der Mai" beginnt ein anderes dieser Lieder, das die meisten kennen. Es stimmt, der Mai ist ein besonderer Monat, Blätter und Blüten kommen hervor und zaubern wunderbare grüne und bunte Farben in unsere Augen, überall herrscht verschwenderische Pracht. Vielleicht hebt sich auch die Stimmung bei uns Menschen, Fahrräder werden geputzt, Touren in die Natur geplant. Sie, die eben noch grau und trist erschien, zeigt sich ganz neu.
Aber wir Menschen, werden auch wir neu? Ein neues Kleid, eine helle Sommerhose macht noch keinen neuen Menschen. Und wollen wir uns überhaupt verändern und nicht lieber bleiben wie wir sind? Und wenn der Wunsch zur Veränderung da ist, werden wir sie schaffen oder in den alten Gewohnheiten verharren bzw. in sie zurückfallen?
"Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt", lautet der Monatsspruch für Mai aus dem Philipperbrief (4,13). Eines meiner Lieblingsworte aus dem Neuen Testament. "Alles vermag ich", das ist ein stolzer Satz. Zumal wenn er von jemandem stammt, der als Gefangener hinter Gittern sitzt. Paulus schreibt ihn aus dem Gefängnis. "Alles vermag ich", das ist aber auch ein demütiger Satz, denn er steht nicht allein, er wird begründet. Und auf diese Begründung kommt es an: "durch ihn, der mir Kraft gibt."
Gemeint ist Jesus Christus. Also kein plumpes Selbstvertrauen, das sich hier ausspricht, kein Zweckoptimismus nach dem Motto: Wir kriegen schon alles hin, auch die Veränderung von uns selbst. Der Apostel bezieht sich auf eine geschenkte, verliehene Stärke, die ihn dazu befähigt etwas zu wagen. "Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt", der Satz atmet die Freiheit des Glaubens.
"Alles neu macht der Mai", das stimmt in Bezug auf die sich verändernde Natur.

Sie kann für uns Menschen zum Gleichnis werden, um nach der Kraft zu fragen, die hinter allem Wachstum und aller Veränderung steht. Und dann kann der Monatsspruch für Mai die Ermutigung sein auch Veränderungen im eigenen Leben zuzulassen, anzunehmen oder auch aktiv zu ge-stalten.
Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne viele schöne Maierfahrungen und grüße Sie herzlich.

Gerhard Failing, Dekan